Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Pädagoge, Psychologe, Publizist und profunder Kenner der Bildungslandschaft, hat in seinem Vortrag einen weiten Bogen zu diesem Thema geschlagen der, mit vielen Fakten unterlegt, die ganze Problematik gut verständlich ausbreitete.
Die so genannte Generation Z umfasst die Jahrgänge etwa von 1995 bis 2010. Als erste Generation ist sie in einer vollständig digitalisierten und von sozialen Medien geprägten Welt aufgewachsen. Sie wird unter anderem beschrieben als stärker als frühere Generationen unter psychischer Belastung zu leiden und unter sozialer Unsicherheit sowie hohem Selbstdarstellungsdruck, insbesondere durch die sozialen Medien, die für viele oft wichtiger zu sein scheinen als „das wirkliche Leben.“ Ältere Generationen sehen sie häufig kritisch: Es fehle ihr trotz großzügiger Schulnoten an grundlegendem Wissen und Bildung und sie wird als anspruchsvoll, konfliktscheu aber auch als achtsam, „woke“, werteorientiert und technologisch versiert gesehen.
Herr Kraus hat unter anderem auf 5 Punkte hingewiesen, die bei einer Analyse grundsätzlich in Betracht gezogen werden müssen:
- dass es die Jugend, wie mit dem Label “Generation Z“ versehen (die heute 15 bis 30-Jährigen), so eigentlich gar nicht gibt und es falsch wäre alles über einen Kamm scheren zu wollen. Wie in jeder Generation gibt es große soziokulturelle Unterschiede auch unter den Jugendlichen mit unterschiedlichen Werten, Lebensstilen und Verhaltensweisen. So gibt es große Differenzen aufgrund vom ökonomischem und bildungsmäßigen Status, regionaler Herkunft (Stadt-Land), Migrationsstatus und Ethnie, Geschlecht, Religion usw. Diesem Aspekt tragen einige Jugendstudien Rechnung indem sie diese in Untergruppen unterteilen (oft auch Milieus genannt)
Beschreibung Generation Z Milieus
- Über die Jugend zu klagen ist ein uraltes Phänomen. Sie wurde schon vor 2500 Jahren von den griechischen Philosophen beklagt, weil sie sich um die Zukunft des Landes sorgten. Auch heute ist die Frage nach der Zukunftsfähigkeit durchaus berechtigt.
Zitate
- Jugend im heutigen Sinne, als „Vorbereitungsphase“ der 7 bis 14-Jährigen auf das (ökonomisch) selbständige Erwachsenenleben, gibt es erst seit Einführung der allgemeinen Schulpflicht, die durch ein entsprechendes, flächendeckendes Schulsystem zum Anfang des 20. Jahrhunderts etabliert wurde, das allen potentiellen Schülern einen ordnungsgemäßen Schulbesuch ermöglicht hat. Auch dies hat sich weiterentwickelt. Die Ausbildungs- und Studienzeiten haben sich verlängert und die Erstgeburten um etliche Jahre später verschoben, so dass heute auch von alten Jungen und jungen Alten gesprochen werden kann. Die Grenzen vom Kind zum Greis sind, was das Lebensalter anbetrifft verschwommen was eine Orientierung erschwert. Hinzu treten die allgemeine Liberalisierung von Regeln des Möglichen und die Vernachlässigung einer Grundausbildung in Fragen des Wissens und der Werte für die Grundlagen eines erfolgreichen und friedlichen Zusammenlebens, wie z.B. Leistung und Resilienz. Das deutsche Bildungswesen hat diesen Vorgang noch befördert durch die erfolgte Herabstufung der schulischen Anforderungen, Bewertungen und Egalisierung.
- Die heutigen jungen Menschen haben es in vielerlei Hinsicht schwerer sich zurechtzufinden, denn der vergleichsweise hohe Wohlstand, die digitale Sekundärwelt des Internets und der Sozialen Medien haben die Kommunikation und das Zusammenleben aus den Angeln gehoben. Vieles wird aus der realen Welt in die digitale nicht real existierende Sekundärwelt ausgelagert, die auf ihre Wirklichkeit und Konsequenzen nicht überprüft werden kann. Nicht förderlich für die Entwicklung ist zudem der reduzierte leistungsfördernde Konkurrenzkampf durch die Halbierung der Geburten in Deutschland seit 1964 und der damit verbundenen Verhätschelung durch die übertriebene Fürsorge zahlreicher Eltern von Kleinfamilien (Helikoptereltern).
- Zu all dem sieht sich diese Jugend einer vermehrt unstabilen Umwelt ausgesetzt mit immer neuen Krisen, Kriegen, Pandemie, Klimawandel und Fake-News, wo sie nicht auf Erfahrungen oder Gelerntes zurückgreifen können. Insofern ist Kritik nicht angebracht, sondern eher Einsicht was in der Vergangenheit falsch gemacht worden ist und was der Jugend fehlt um künftig den Anforderungen der sich stellenden Herausforderungen besser gerecht werden zu können. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die notwendige baldige Umorientierung in den Zielen der Bildungspolitik ist jedoch nach Maßgabe des aktuellen Koalitionsvertrages der Regierung nicht in Sicht.